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Felix Mendelssohn-Bartholdy: Paulus

Felix Mendelssohn-Bartholdy: Paulus
Mitwirkende:

Anne Lünenbürger
Rodrigo Orrego
Peter Lika
Universitätschor Karlsruhe
Kammerchor Karlsruhe
Leitung: Nikolaus Indlekofer

Ort:

Marienkirche Schielberg

Datum: 30.06.1996

Programm

Felix Mendelssohn (1809-1847)

Felix Mendelssohn was one of the interesting anomalies of classical music; a stunningly talented composer who never went through the agonizing financial struggles and work-related travails that beset so many of his contemporaries and predecessors. He was born into a wealthy Hamburg family, studied the piano with his mother at an early age, and later took formal instruction on the piano from Carl Zelter in Berlin. When still only a child, he began to compose chamber works - his family often held chamber soirées in their home, and young Felix had ample opportunity to hone his craft on these impromptu ensembles. Soon he was composing trios, quartets and operettas, and was making his mark as a pianist; his public debut on the keyboard came at the age of nine. By the time Mendelssohn was seventeen, his fame as a musical prodigy was spreading; that year, his first great composition – the overture to Shakespeare's A Midsummer Night's Dream - was produced.

At twenty, Mendelssohn still had not created most of the works that would assure his place as one of the leading lights in classical music lore (except the profoundly brilliant Octet for Strings, written in 1825); he did, however, demonstrate his keen musical sensibilities in another way - the championing of the music of Johann Sebastian Bach. In the 80-odd years between Bach's death and Mendelssohn's revival of Bach's music, the old Baroque master had gone unnoticed, his music almost forgotten entirely. Mendelssohn, noting this lapse in popular judgment, set about to make things right, and in 1829 he conducted a full-scale performance of Bach's crowning achievement, the St. Matthew Passion. The performance was a smashing success, and it began a re-evaluation and appreciation of Bach's music that continues unabated to this day.

Meanwhile, Mendelssohn was starting to forge a career of his own. In 1833, he applied for a faculty job at a prominent music school in Berlin, but was turned down. Later that year, however, he was appointed Music Director of the town of Düsseldorf; two years after that, he was offered the conductor's post by Leipzig's legendary Gewandhaus Orchestra. By this point, he had already begun to write symphonies, more chamber works, and one of his piano concertos, as well as one magnificent oratorio, St. Paul (1836). Ensuing career developments included a post at Berlin's Academy of the Arts and the origination of the Leipzig Conservatory in 1843. More works - the last symphonies, the Violin Concerto, the Wedding March - rolled from his pen before his health began to decline in 1846. Compounded by the death of his beloved sister, Mendelssohn's depression and decline proceeded until the next year, when he died at the tender age of 38.

Many critics of Mendelssohn claim that his powers of inspired melody and sparkling orchestration were at their height when he was a teenager, and declined steadily throughout the duration of his career. It is true that some of his greatest works were written early in his career, but the inexorable power of his later symphonies, the brilliant perfection of the Violin Concerto, and the mature craft displayed in other works fly in the face of such claims. He was a composer of traditional Classical values, but to the rules of the trade he brought a delightful lyricism, a gift for orchestral colour, and a power of melody-crafting that must be heard to be appreciated. He is one of musical history's most under-rated geniuses.

 

Paulus

Im Jahr 1832 erhielt der 22-jährige Felix Mendelssohn Bartholdy den Auftrag zur Komposition eines Oratoriums über den Apostel Paulus. Der Theologe Julius Schubring stellte den Text für das Werk zusammen, wobei er vornehmlich die Schilderung des Lebens des Apostels Paulus, wie sie in der Apostelgeschichte erscheint, verwendete. Einige Psalmstellen, Zitate aus Paulusbriefen, Evangelienpassagen und fünf Choräle ergänzen und kommentieren den Handlungsablauf.

Die Passionen von Johann Sebastian Bach und die Oratorien von Georg Friedrich Händel, an deren Wiederbelebung im 19. Jahrhundert Mendelssohn entscheidenden Anteil hatte, bilden auch die Grundlage für das musikalische Konzept, das der junge Komponist seinem ersten großen Werk zu Grunde legte. Trotzdem ist es nicht einfach ein Kopieren von traditionellen Formen, vielmehr gelingt Mendelssohn die Übertragung in seine eigene Tonsprache perfekt. Er formuliert sein Verhältnis zur Tradition

folgendermaßen:

"dass alles Alte, Gute neu belebt, wenn auch das Hinzukommende anders werden muss als das Alte, weil es von neuen und anderen Menschen ausgeht."

Inhaltlich ist bemerkenswert, dass zunächst dem Auftreten des Stephanus und dessen Märtyrertod sehr viel Raum gewidmet wird, bis etwa in der Mitte des ersten Teils Paulus erstmals in der Handlung auftritt. Seine Wandlung vom wilden Verfolger der jungen Christengemeinde zum eifrigen Verfechter des Evangeliums basiert auf seiner Gotteserfahrung auf dem Weg nach Damaskus. Seine Erkenntnis, dass der Gott der Juden auch der Gott der Christen ist, und seine Aussendung als Verkündiger des Evangeliums bilden den Abschluss des ersten Teils.

Im zweiten Teil des Oratoriums wird das missionarische Wirken des Apostels geschildert. Dass er bei den Juden in Jerusalem als einer, der "die Fronten gewechselt" hat, nicht sehr auf Gegenliebe stößt, liegt auf der Hand. Er entschließt sich daher, seine Mission bei den Nichtjuden fortzusetzen. Als er aber nach der Heilung eines Gelähmten in Lystra von der dortigen Gemeinde als Gott gefeiert wird und sich heftig dagegen wehrt, kommt es auch dort zum Eklat, so dass Paulus selbst um sein Leben fürchten muss.

"Gott wohnt nicht in Tempeln, mit Menschenhänden gemacht. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnet?"

Mit diesen Worten erregt er bei den Heiden und Juden gleichermaßen Unmut und trifft auf erbitterten Widerstand. Sind sie aber nicht auch bis heute als wichtigste christliche Botschaft in Gefahr, unter die Räder von Macht und Hierarchie zu geraten?

N.I.

 

Anne Lünenbürger

Anne Lünenbürger wurde 1964 in Landau geboren. Nach dem Gesangsstudium an der Karlsruher Musikhochschule bei Prof. Erika Markgraf und Prof. Christiane Hampe erhielt sie 1990 das staatliche Diplom für Gesangserziehung. 1992 war sie Stipendiatin des Deutschen Musikrates. 1993 erhielt sie den Sonderpreis des Mendelssohn- Liederwettbewerbes. Ihr erstes Engagement erhielt sie in Bautzen, wo sie u.a. die Partien der Violetta, der Konstanze und der Dona Anna sang.

Seit Februar 1995 ist sie in Nürnberg engagiert (Oskar in "Maskenball"), daneben widmet sie sich reger Konzerttätigkeit im In- und Ausland.

 

Rodrigo Orrego

Rodrigo Orrego wurde in Santiago, Chile geboren und studierte dort bei Prof. Hans Stein drei Jahre lang Gesang. Bereits während dieser Ausbildung begann er seine Konzerttätigkeit besonders in Lied und Oratorien. Im April 1990 übersiedelte er nach Deutschland und setze seine Ausbildung bei Prof. Aldo Baldin an der Musikhochschule Karlsruhe fort. Während dieser Zeit wirkte er u.a. in C. Orffs "Carmina Burana", F. Mendelssohns "Elias", L. Cherubinis "Missa Solemnis" und Gala-Konzert "EuropaMusicale" in der Münchner Philharmonie mit.

Regelmäßig ist R. Orrego mit der Bach-Akademie Stuttgart unter der Leitung von Helmuth Rilling zu hören sowie mit dem Bamberger Symphonikern, mit denen er u.a. anlässlich des "Prager Frühlings" im Juni 1992 J. S. Bachs h-moll-Messe und W. A. Mozarts c-moll-Messe sang.

Im gleichen Jahr gab er sein Operndebüt mit der Kammeroper Frankfurt in G.Rossinis "L'Occasione fa il adro". In Kassel gastierte er in I. Montemezzis "L'Amore dei tre ré" in einer Inszenierung von Giancarlo del Mónaco unter der Leitung von Eugene Kohn. Ebenfalls im Jahr 1992 trat er sein erstes festes Engagement am Staatstheater Darmstadt an.

1993 sang er das Mozart-Requiem mit dem Gewandhaus-Orchester in der Nicolaikirche in Leipzig, das Stabat Mater von G. Rossini in der Kölner Philharmonie, Mozarts c-moll-Messe mit Prof. Wolfgang Gönnenwein und Louis Spohrs "Faust" in einer konzertanten Aufführung mit CD-Aufnahme in Bad Urach und im Rahmen internationaler Tourneen bedeutende geistliche Werke von Dvorák, Mozart, Verdi und Bach.

1994 interpretierte Rodrigo Orrego F. Schuberts Es-Dur-Messe mit der MDR-Kammerphilharmonie, J. Haydns "Die Schöpfung" in der Kölner Philharmonie und im Oktober Bachs h-moll-Messe am Teatro Colon in Buenos Aires, Argentinien mit der Bamberger Symphonikern.

 

Peter Lika

Peter Lika hatte seine ersten bedeutenden Erfolge schon als Knabensolist der Regensburger Domspatzen. Sein Gesangsstudium schloss er in München mit dem Examen für das Konzert- und Opernfach ab. Er war Preisträger bei Wettbewerben in Berlin, Genf, München, Augsburg und Verviers.

Schon 18-jährig machte der Bassist seine ersten, erfolgreichen Konzerterfahrungen. Unter namenhaften Regisseuren war er in vielen Opernpartien zu hören. Heute, inzwischen freiberuflich, ist das Konzert sein Wirkungsschwerpunkt und führt ihn in die großen Musikzentren Europas. Auf Tourneen sang er auch in China, Japan, USA, Südamerika, Kanada und Israel.

Peter Lika wirkte bei vielen Festspielen in Salzburg, Wien Prag, Berlin, Frankfurt, Ansbach, Ludwigsburg, Kassel, Luzern, Mailand, Turin, Paris, Lissabon, Madrid, Barcelona, Helsinki, Krakau, Breslau, u.a. mit.

In Konzerten sang er unter Celibidache, Kubelik, Rilling, Serge Baudo, Lopez Cobos, Peter Schreier, Sawallisch, Wallberg, Sir Neville Marriner, Gerd Neumann, Marcello Viotti, Dimitrij Kitajenko, Atzmon, John Eliot Gardiner, Leif Segerstam, Uwe Gronostay, Gomez Martinez, Herreweghe, Gelmetti, Klee, Ulf Schirmer, Shallon, Michel Corboz, Gustav Leonhardt, Kuijken u.a. Werke von Monteverdi, Schütz und Bach über Händel, Mozart, Haydn, Beethoven und Mendelssohn bis hin zu Strawinsky, Blarr, Penderecki, Schönberg, Nikolaus A. Huber und Henze.

Peter Lika wirkte in vielen Rundfunk- und Fernsehproduktionen mit und hat mehrere Schallplatten bei EMI, Orfeo, Elektrola, Ariola, CBS, Harmonia Mundi, Virgin Classics, RCA u.a. eingespielt.

Kritik der BNN vom 02.07.1996

Mendelssohns "Paulus"

Mit spürbarem Engagement

Auftritt des Universitätschors

Eine lohnenswerte Aufgabe: die Aufführung von Mendelssohns "Paulus". Bereits zu Lebzeiten des Komponisten wurden seine beiden großen Oratorien viel beachtet und häufig aufgeführt. Der Geist Bachs und Händels ist in ihnen noch spürbar, und vielleicht ist es gerade die Anlehnung an barocke Tradition in Verbindung mit romantischer Ausdrucksweise, durch welche Mendelssohns Musik so eindrücklich wirkt.

Dass sich jetzt der Leiter des Universitätschores, Nikolaus Indlekofer, an die Einstudierung eines ebenso umfangreichen wie anspruchsvollen Werkes heranwagte, verdient Respekt, zumal, wenn man bedenkt, dass die hier mitwirkenden Chor- und Orchestermitglieder Laienmusiker sind. Aber vielleicht sind der Enthusiasmus und das deutlich spürbare Engagement der jungen Musiker, die Triebfeder des begeisternden "Funkens", der in einer wirklich mitreißenden Aufführung das Publikum erfasste, gerade

diesem Umstand zu verdanken.

Ursprünglich sollte in der Frauenalber Klosterruine musiziert werden, wegen schlechten Wetters wich man aber in die Schielberger Marienkirche aus, die durch eine unproblematische Akustik entschädigte. Der Universitätschor präsentierte sich hier stimmlich gut disponiert und erfreulich homogen. Präzise Aussprache und sichere Intonation zeugten von sorgfältiger Probenarbeit. Die Charaktere der einzelnen Chorteile wurden stets gut getroffen.

Die drei großen solistischen Partien waren hochkarätig besetzt. Anne Lünenbürger (Sopran) überzeugte durchweg mit ausladend dramatischer, aber immer makellos, in der Höhe strahlend hell geführter Stimme. Gerade in den rezitativischen Teilen erreichte sie durch ihren expressiven Erzählton größte Lebendigkeit. Rodrigo Orrego (Tenor) intonierte anfangs etwas zu tief, brachte aber dann im zweiten Teil des Werks seinen gut fokussierten, auch in Spitzenlagen immer mühelos ansprechenden lyrischen Tenor schön zur Geltung.

Geradezu überwältigend gestaltete Peter Lika (Bass) den Part des Paulus. Hervorzuheben ist das tiefgründig-flehende "Gott sei mir gnädig". Bei Lika beeindruckt die mächtige Klangfülle bei grandioser Stimmbeherrschung und Ausschöpfung einer enormen Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten.

Gut vorbereitet war das Kammerorchester an der Universität Karlsruhe (Einstudierung durch den Leiter Dieter Köhnlein), das rhythmisch sehr sicher agierte und Solisten und Chor zurückhaltend und sensibel begleitete. Die Bläsergruppen zeigten sich klanglich und intonatorisch gut ausgewogen. - Nicht zuletzt, dass die Aufführung insgesamt zu einem harmonischen Ganzen wuchs, ist maßgeblich auf Indlekofers klares, gut ablesbares Dirigat zurückzuführen, das ein sicheres rhythmisches Zusammenwirken garantierte.

P.